Shelly Plus vs. Sonoff: Günstiges Smart Home im Vergleich (2026)

Dienstag, 28 April 2026 16:10

Shelly Plus oder Sonoff? Wir vergleichen Preis, Lokale Steuerung, Home Assistant und DIY-Tauglichkeit der günstigsten Smart-Home-Relais 2026.

Shelly Plus 1 und Sonoff MINI Extreme nebeneinander auf einer Werkbank mit sichtbaren Anschlussklemmen und ESP32-Platine
Shelly Plus 1 und Sonoff MINI Extreme nebeneinander auf einer Werkbank mit sichtbaren Anschlussklemmen und ESP32-Platine

Wer ein bezahlbares Smart Home selbst aufbauen will, landet früher oder später bei zwei Namen: Shelly und Sonoff. Beide Hersteller liefern WLAN-Relais, die in die Unterputzdose verschwinden und Lampen, Steckdosen oder Rollläden per App steuerbar machen. Beide kosten unter 15 Euro pro Gerät. Und trotzdem ist die Entscheidung nicht egal.

Die Unterschiede liegen im Detail, aber genau da, wo es für den Alltag zählt: lokale Steuerung ohne Cloud-Zwang, Home-Assistant-Integration ohne Umwege, Einbau ohne Werkzeugkiste. Wer das falsche System wählt, ärgert sich spätestens dann, wenn die Herstellerserver ausfallen oder der Router einen Geräte-Reset auslöst.

Dieser Vergleich testet die aktuelle Plus-Generation von Shelly gegen die Sonoff-MINI-Reihe mit Schwerpunkt auf dem MINIR4M (Matter-Variante). Fazit vorweg: Shelly ist das bessere Gerät für alle, die sofort lokal arbeiten wollen. Sonoff schlägt Shelly beim Preis und Formfaktor, braucht aber mehr Handarbeit für echte lokale Kontrolle.

Kurzfazit: Wer soll was kaufen?

Shelly Plus wählen, wenn lokale Steuerung ohne jegliches Firmware-Basteln Pflicht ist, wenn Home Assistant oder MQTT bereits laufen, oder wenn mehr als 10 Geräte verbaut werden sollen. Die native Integration spart bei großen Anlagen viele Stunden Konfiguration.

Sonoff wählen, wenn der Preis entscheidet, wenn der Einbauort extrem wenig Platz hat, oder wenn Matter als Protokoll gewünscht wird (MINIR4M). Für alle, die bereit sind, Tasmota oder ESPHome aufzuspielen, ist Sonoff ebenbürtig.

Wer weder Home Assistant noch MQTT kennt und einfach eine App-gesteuerte Lampe will: Beide funktionieren. Der Unterschied liegt darin, was in zwei Jahren noch möglich ist, wenn der Hersteller-Cloud-Server abgeschaltet wird.

Preis und Verfügbarkeit: Shelly vs. Sonoff

Der Preisunterschied ist real, aber kleiner als die Communität oft behauptet. Stand 2026 liegt der Shelly Plus 1 bei etwa 13 bis 15 Euro im deutschen Einzelhandel, bei Conrad, Reichelt oder direkt über shelly.com. Der Sonoff MINIR4M kostet bei AliExpress rund 12 Euro, bei Amazon-DE eher 14 bis 16 Euro wegen Importaufschlag.

Netto ist Sonoff also kaum günstiger, sobald man Versandkosten und Lieferzeit von AliExpress einrechnet. Der Preisvorteil kommt erst, wenn man zehn oder mehr Einheiten kauft. Dann liegt Sonoff bei Direktimport etwa 20 bis 25 Prozent unter Shelly.

Verfügbarkeit: Shelly ist im deutschen Fachhandel breiter vertreten. Sonoff bekommt man zuverlässig über AliExpress und Amazon, weniger über stationären Handel. Für Installateure, die schnell nachbestellen müssen, ist das ein Argument für Shelly.

Gewinner: Shelly im Einzelhandel, Sonoff bei Großabnahme über Direktimport.

Hardware und Abmessungen: Welches Gerät passt in die Dose?

Der Sonoff MINIR4M misst 39,5 x 22 x 16,8 mm. Kleiner ist kaum möglich. In Unterputzdosen, wo kein Platz für einen Hohlraumschalter bleibt, ist das ein echter Vorteil. Auch hinter schmalen Lichtschalterrahmen funktioniert er noch.

Der Shelly Plus 1 ist mit 42 x 38 x 16,5 mm deutlich breiter. Er passt in Standard-Hohlraumdosen problemlos, aber nicht überall, wo der Sonoff noch reingeht. Wer alte Installationen mit beengten Verhältnissen hat, sollte das vorab messen.

Beim Schaltrelais gewinnt dagegen Shelly: 16A und 3.500 Watt Schaltleistung gegen 10A und 2.400 Watt beim Sonoff MINIR4M. Für Lampen und Standardgeräte reicht Sonoff aus. Für Heizungssteuerung, Elektroboiler oder stärkere Verbraucher ist der Shelly Plus 1 die sichere Wahl.

Standby-Verbrauch: 0,2 Watt beim Sonoff, bis zu 0,7 Watt beim Shelly Plus 1. Bei 30 Geräten im Haushalt macht das über ein Jahr etwa 13 kWh Unterschied, rund 4 Euro. Relevant, aber kein Kaufargument.

Beide Geräte nutzen einen ESP32-Chip mit 2,4-GHz-WLAN und Bluetooth 5.0. Auf Hardware-Ebene sind sie näher verwandt, als die Preisschilder vermuten lassen.

Gewinner Kompaktheit: Sonoff. Gewinner Schaltleistung: Shelly.

Größenvergleich Shelly Plus 1 und Sonoff MINI Extreme nebeneinander mit Maßband, Unterputzdose im Hintergrund
Größenvergleich Shelly Plus 1 und Sonoff MINI Extreme nebeneinander mit Maßband, Unterputzdose im Hintergrund

Lokale Steuerung: Der entscheidende Unterschied

Lokale Steuerung bedeutet: Das Gerät funktioniert auch dann, wenn das Internet ausfällt oder der Hersteller-Server abgeschaltet wird. Für ein dauerhaft zuverlässiges Smart Home ist das keine Kür, sondern Pflicht.

Shelly Plus: lokal out of the box. Das Gerät hat ab Werk eine eigene Web-Oberfläche, die über die lokale IP-Adresse erreichbar ist. MQTT ist direkt in den Einstellungen aktivierbar, ohne Firmware-Wechsel. Home Assistant erkennt Shelly-Geräte automatisch im Netzwerk und bindet sie per nativer Integration ein. Kein Cloud-Account nötig, wenn man ihn nicht will.

Sonoff auf Stock-Firmware: Funktioniert primär über die eWeLink-Cloud. Ohne Internetzugang kann man die Geräte nicht steuern. Matter beim MINIR4M bringt zumindest lokale Kommunikation mit kompatiblen Hubs (Apple Home, Google Home, Home Assistant). Aber: Echte lokale API wie bei Shelly gibt es nicht.

Sonoff mit Tasmota oder ESPHome: Vollständig lokale Steuerung, MQTT, Home-Assistant-Integration ohne Cloud. Aber der Firmware-Flash ist ein manueller Schritt. Nicht schwierig, wenn man es einmal gemacht hat. Aber kein Plug-and-Play.

Gewinner: Shelly. Lokal ohne jede Konfiguration. Sonoff holt auf, wenn man bereit ist, die Firmware zu wechseln.

Home Assistant Integration: Shelly vs. Sonoff

Shelly hat in Home Assistant eine offizielle, aktiv gepflegte Integration. Nach der Installation wird das Gerät automatisch entdeckt, sobald es im gleichen Netzwerk ist. Zustandsänderungen kommen per Push-Mechanismus in Echtzeit an, keine Polling-Verzögerung. Firmware-Updates lassen sich direkt aus Home Assistant anstoßen.

Das ist der Maßstab, an dem sich Sonoff messen muss. Und hier zeigt sich der Nachteil der Stock-Firmware: Home Assistant bindet Sonoff-Geräte über eWeLink-Cloud-Integration ein, was eine Internetverbindung voraussetzt und bei Server-Ausfällen ausfällt.

Mit Tasmota auf dem Sonoff sieht die Sache anders aus. Die Tasmota-Integration in Home Assistant ist ebenfalls ausgefeilt und liefert lokale Echtzeit-Updates via MQTT. Aber der Aufwand, alle Geräte zu flashen, summiert sich. Bei fünf Geräten ist das eine Stunde Arbeit. Bei fünfzig Geräten ist es ein Projekt.

Aber der Sonoff MINIR4M mit Matter ist hier ein Sonderfall. Matter-Geräte integrieren sich in Home Assistant über eine offizielle lokale Integration, ohne Cloud. Noch nicht so ausgereift wie Shellys native Integration, aber auf dem richtigen Weg.

Gewinner: Shelly für sofortige, wartungsarme HA-Integration. Sonoff mit Matter als aufholende Alternative.

Home Assistant Dashboard mit Shelly und Sonoff Geräten als Entitäten, Schaltzustände und Energieverbrauch sichtbar
Home Assistant Dashboard mit Shelly und Sonoff Geräten als Entitäten, Schaltzustände und Energieverbrauch sichtbar

App und Ersteinrichtung: Wie einfach ist der Start?

Shelly-App (Android und iOS): übersichtlich, stabil, ohne Pflichtregistrierung nutzbar. Man verbindet das Gerät per App, tippt die WLAN-Zugangsdaten ein, und das war es. Kein erzwungenes Konto, keine Pflicht zur Cloud. Automationen lassen sich direkt auf dem Gerät speichern, was bedeutet: Sie laufen auch ohne App und ohne Server.

eWeLink (Sonoff-App): umfangreich, aber cloudgebunden. Zeitpläne, Szenen und Automationen werden auf Sonoff-Servern gespeichert. Fällt der Server aus, funktionieren die Automationen nicht. Die App selbst ist gut gestaltet, schnell und hat mehr fertige Smart-Home-Szenarien als die Shelly-App.

Ersteinrichtung: Shelly läuft bei mir reproduzierbar in unter drei Minuten. Sonoff braucht einen eWeLink-Account, Bestätigungs-Mail inklusive. Das ist einmalig, aber nervig.

Wer keinen Home-Assistant-Server betreiben will und eine einfache App-Lösung sucht: Beide Apps funktionieren. Sonoffs eWeLink ist für reine App-Nutzer sogar komfortabler, weil die Automatisierungsbausteine fertiger sind.

Gewinner für Home-Assistant-Nutzer: Shelly. Gewinner für reine App-Lösung: Unentschieden, leichter Vorteil Sonoff.

Protokolle und Zukunftssicherheit: Matter, MQTT, Zigbee

Matter ist das neue herstellerübergreifende Smart-Home-Protokoll, das Apple Home, Google Home, Amazon Alexa und Home Assistant miteinander kompatibel machen soll. Der Sonoff MINIR4M unterstützt Matter ab Werk. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber dem aktuellen Shelly Plus 1, der kein Matter spricht.

Shelly hat Matter für zukünftige Generationen angekündigt. Stand 2026 fehlt es noch in der Plus-Linie. Wer heute auf Matter setzt, ist mit dem MINIR4M bei Sonoff besser bedient.

MQTT: Shelly Plus unterstützt MQTT nativ ohne Firmware-Wechsel. Sonoff auf Stock-Firmware nicht. Mit Tasmota auf dem Sonoff: MQTT vollständig verfügbar.

Scripting: Shelly Plus-Geräte lassen sich mit JavaScript-Skripten direkt auf dem Gerät programmieren. Lokale Logik, die läuft, egal was mit dem Netzwerk passiert. Sonoff bietet das auf Stock-Firmware nicht.

Gewinner Matter: Sonoff MINIR4M. Gewinner MQTT und Scripting: Shelly.

Schnellübersicht: Shelly Plus 1 vs. Sonoff MINIR4M

KriteriumShelly Plus 1Sonoff MINIR4M
Preis (ca.)13 bis 15 Euro12 bis 16 Euro
Abmessungen42 x 38 x 16,5 mm39,5 x 22 x 16,8 mm (kompakter)
Schaltleistung16A / 3.500W10A / 2.400W
Standby-Verbrauchbis 0,7W0,2W
Lokale API (ab Werk)JaNein (nur mit Tasmota)
MQTT ab WerkJaNein (nur mit Tasmota)
MatterNeinJa
Home Assistant nativJa, auto-discoveryNur mit Tasmota oder Matter
Scripting auf GerätJa (JavaScript)Nein
Firmware-Flash nötigNeinJa (für lokale Steuerung)

Fazit: Was kauft man 2026?

Shelly Plus 1 ist das bessere Gerät für alle, die ein ernsthaftes lokales Smart Home aufbauen wollen. Keine Cloud-Abhängigkeit, native Home-Assistant-Integration, MQTT ohne Bastelei, on-device Scripting. Das rechtfertigt den kleinen Aufpreis.

Sonoff MINIR4M gewinnt beim Formfaktor und beim Standby-Verbrauch. Und der Matter-Support ist ein echter Vorteil, wenn man mit Apple Home oder Google Home arbeitet statt mit Home Assistant. Wer bereit ist, Tasmota aufzuspielen, bekommt ein Gerät, das Shelly in fast allen relevanten Punkten gleichzieht.

Kurz gesagt:

  • Home-Assistant-Nutzer, Ersteinsteiger: Shelly Plus 1. Keine Kompromisse, keine Firmware-Arbeit, läuft sofort.
  • Matter-Ökosystem (Apple Home, Google Home): Sonoff MINIR4M. Einzige Wahl in dieser Preisklasse mit Matter-Unterstützung.
  • Knappes Budget, viele Geräte, bereit zum Tasmota-Flash: Sonoff. Spart bei 20 Geräten rund 30 bis 40 Euro.
  • Enge Einbausituation: Sonoff, wegen des kompakteren Gehäuses.
  • Hohe Schaltlast (Heizung, Boiler, über 10A): Shelly Plus 1, wegen 16A-Relais.

Empfehlung für den Einstieg: Shelly Plus 1 kaufen, zwei Stunden in Home Assistant investieren, und man hat eine solide Basis, die noch in zehn Jahren ohne Herstellerserver funktioniert.

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