Waschmaschine richtig nutzen und Strom sparen
Ihre Waschmaschine frisst mehr Strom, als Sie denken. Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland verbraucht zwischen 150 und 200 kWh pro Jahr allein fürs Waschen. Bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh sind das 50 bis 70 Euro jährlich. Und das muss nicht sein.
Rund 75 % des Energieverbrauchs einer Waschmaschine gehen fürs Erhitzen des Wassers drauf. Der Motor, das Schleudern, die Elektronik – alles zusammen macht nur ein Viertel aus. Die Heizung dominiert. Wer an dieser Stellschraube dreht, spart am meisten.
In diesem Tutorial erfahren Sie, wie Sie den Stromverbrauch Ihrer Maschine mit wenigen Änderungen im Alltag um 30 bis 60 % drücken. Keine teuren Anschaffungen nötig. Kein Verzicht auf saubere Wäsche.
Schritt 1: Waschtemperatur konsequent senkenDer größte Hebel sitzt am Temperaturregler. Eine Wäsche bei 60 °C verbraucht rund 0,95 kWh. Dieselbe Ladung bei 30 °C? Nur 0,3 kWh. Das sind 70 % weniger Strom für denselben Korb Wäsche.
Moderne Waschmittel – Flüssigwaschmittel, Pods, auch die meisten Pulver – sind auf niedrige Temperaturen optimiert. Alltägliche Kleidung wie T-Shirts, Hosen, Pullover wird bei 30 °C genauso sauber wie früher bei 60 °C. Die Enzyme in heutigen Waschmitteln arbeiten bei 20 bis 40 °C am besten. Bei 60 °C zerfallen sie teilweise, bevor sie ihre Arbeit erledigt haben.
Unterwäsche, Handtücher, Bettwäsche? 40 °C reichen in den meisten Fällen. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu einem Hygienespüler und bleibt trotzdem bei 40 °C.
Eine Ausnahme gibt es. Lassen Sie die Maschine einmal pro Monat bei 60 °C mit Vollwaschmittel laufen. Das verhindert, dass sich ein Biofilm aus Bakterien und Pilzen in der Trommel festsetzt. Kein Trick, sondern Wartung.
Schritt 2: Eco-Programm statt Kurzprogramm wählenKlingt paradox: Das Eco-Programm braucht zwei bis drei Stunden, verbraucht aber nur halb so viel Strom wie das 60-Minuten-Standardprogramm. Der Grund ist simpel. Das Eco-Programm heizt das Wasser weniger stark auf und lässt das Waschmittel dafür länger einwirken. Zeit ersetzt Energie.
Und das Kurzprogramm? Spart keine Energie. Im Gegenteil. ÖKO-TEST hat Herstellerdaten verglichen: Ein Schnellwaschgang bei 40 °C verbraucht rund 0,64 kWh. Das vergleichbare Eco-Programm kommt mit 0,34 kWh aus. Fast die Hälfte weniger. Bei vier Waschgängen pro Woche summiert sich dieser Unterschied auf über 60 kWh im Jahr – das sind rund 20 Euro, die Sie ohne jede Einschränkung sparen.
Viele Leute meiden das Eco-Programm, weil sie denken, die Wäsche wird bei längerer Laufzeit stärker beansprucht. Das Gegenteil trifft zu. Die Trommel dreht langsamer, die mechanische Belastung für die Fasern sinkt. Ihre Kleidung hält länger.
Nutzen Sie das Kurzprogramm nur, wenn Sie drei Teile schnell brauchen und es pressiert. Für den regulären Waschtag ist es die teurere Wahl.
Schritt 3: Trommel voll beladenEine halbvolle Trommel verbraucht fast genauso viel Strom wie eine volle. Die Heizung erwärmt das Wasser unabhängig davon, ob drei Handtücher oder acht drin liegen. Manche neueren Modelle passen den Wasserverbrauch an die Beladung an – den Stromverbrauch fürs Heizen reduzieren sie aber kaum.
Sammeln Sie Ihre Wäsche, bis die Trommel voll ist. Nicht überladen, die Wäsche muss sich noch frei bewegen können. Aber eine Handbreit Platz oben in der Trommel reicht.
Feinwäsche und Wolle sind die Ausnahme. Befüllen Sie die Trommel bei diesen Programmen nur zur Hälfte. Die Fasern brauchen Platz, um geschont zu werden.
Die Vorwäsche stammt aus einer Zeit, als Waschmittel weniger leistungsfähig waren und Maschinen das Wasser schlechter verteilten. Heute erledigt der Hauptwaschgang die Arbeit allein. Die Vorwäsche verbraucht zusätzliches Wasser und Strom, bringt aber bei normal verschmutzter Kleidung keinen Unterschied im Ergebnis. Bei den meisten modernen Maschinen fließen für die Vorwäsche 10 bis 15 Liter extra Wasser in die Trommel – Wasser, das aufgeheizt werden muss.
Stark verschmutzte Arbeitskleidung oder Gartenkleidung mit Erdflecken? Weichen Sie die Teile 30 Minuten in einem Eimer mit etwas Waschmittel ein. Kostet keinen Strom und wirkt besser als die maschinelle Vorwäsche. Hartnäckige Flecken behandeln Sie vorher mit Gallseife oder einem Fleckenspray direkt auf dem Stoff. Das spart den gesamten Vorwaschgang.
Schritt 5: Schleudergeschwindigkeit hochdrehenWer die Wäsche anschließend in den Trockner gibt, sollte die Schleuderdrehzahl auf 1.400 U/min setzen. Je trockener die Wäsche aus der Maschine kommt, desto weniger Energie braucht der Trockner. Und Trockner sind echte Stromfresser: Im Schnitt 250 kWh pro Jahr, selbst bei modernen Geräten.
Trocknen Sie auf der Leine? Dann spielt die Schleuderdrehzahl eine kleinere Rolle. Aber auch hier: Höheres Schleudern verkürzt die Trockenzeit und verringert das Risiko von Muffgeruch bei schlechtem Wetter.
Feines, Wolle, empfindliche Stoffe – bei denen bleiben Sie bei 800 U/min oder weniger. Die Fasern danken es Ihnen.
Schritt 6: Standby-Verbrauch stoppenFertig gewaschen? Schalten Sie die Maschine aus. Das Display, die Standby-Elektronik, die Bereitschaftsschaltung – all das zieht weiter Strom. Ein einzelnes Gerät im Standby verbraucht vielleicht 1 bis 2 Watt. Klingt nach nichts. Aber rechnen Sie alle Standby-Geräte im Haushalt zusammen, kommen Sie auf 50 bis 100 Euro pro Jahr. Die Waschmaschine ist ein Teil davon.
Am einfachsten: Schaltbare Steckdosenleiste. Ein Klick, kein Standby. Funktioniert auch für den Trockner daneben. Kostet fünf Euro im Baumarkt, spart ein Vielfaches über die Jahre.
Und noch ein Detail, das viele übersehen: Lassen Sie die Tür der Waschmaschine nach dem Waschgang offen. Die Restfeuchtigkeit in der Trommel verdampft, Schimmelbildung wird verhindert, und der nächste Waschgang riecht frisch statt muffig.
Schritt 7: Die richtige Maschinengröße für Ihren HaushaltZu groß gekauft? Dann waschen Sie ständig halbvolle Trommeln und verschwenden Energie. Die Faustregel für die Trommelgröße:
- 1 bis 2 Personen: 5 bis 6 kg Fassungsvermögen
- 3 bis 4 Personen: 6 bis 8 kg
- 5 und mehr Personen: 9 bis 10 kg
Wer allein lebt und eine 9-kg-Maschine betreibt, wird die Trommel nie voll bekommen. Das Ergebnis: mehr Waschgänge pro Kilogramm Wäsche, mehr Strom, mehr Wasser.
Einige neuere Modelle erkennen die Beladungsmenge automatisch und passen den Wasserverbrauch an. Das hilft beim Wasser, reduziert aber den Stromverbrauch nur marginal. Die Heizleistung bleibt bei fast allen Geräten gleich – egal ob 3 kg oder 8 kg in der Trommel liegen. Achten Sie beim Kauf auf Modelle mit echter Mengenautomatik, die auch die Temperaturregelung an die Beladung anpasst.
Frontlader oder Toplader? Frontlader sind in der Regel energieeffizienter und bieten größere Kapazitäten. Toplader sparen Platz und schonen den Rücken beim Beladen. Für den reinen Stromverbrauch gewinnt der Frontlader.
Wann sich eine neue Waschmaschine lohntAlte Waschmaschinen – älter als zehn Jahre – verbrauchen zwischen 2 und 3 kWh pro Waschgang. Ein modernes Gerät der Energieklasse A oder B schafft denselben Waschgang mit 0,5 bis 0,6 kWh. Das ist ein Fünftel des Verbrauchs.
Rechenbeispiel: Bei 200 Waschgängen pro Jahr spart ein neues Gerät rund 300 kWh. Bei 35 Cent pro kWh sind das über 100 Euro weniger auf der Stromrechnung. Die Anschaffungskosten einer guten Maschine (400 bis 600 Euro) haben Sie nach vier bis sechs Jahren wieder drin.
Seit März 2021 gilt das neue EU-Energielabel mit den Klassen A bis G. Achten Sie beim Kauf auf die Klasse A oder B. Geräte mit Klasse D oder schlechter verbrauchen messbar mehr – auch wenn der Kaufpreis niedriger ist, zahlen Sie den Aufpreis über die Jahre beim Strom.
Drei Probleme tauchen immer wieder auf:
Die Maschine stinkt nach dem Waschen bei 30 °C. Lösung: Einmal monatlich bei 60 °C mit Vollwaschmittel waschen. Tür und Waschmittelfach nach jedem Waschgang offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
Die Wäsche wird bei 30 °C nicht sauber. Prüfen Sie das Waschmittel. Billige Waschmittel ohne Enzyme funktionieren bei niedrigen Temperaturen schlecht. Greifen Sie zu einem Markenwaschmittel mit Kaltaktiv-Formel. Und: Überladene Trommeln verhindern, dass das Waschmittel alle Textilien erreicht.
Das Eco-Programm dauert zu lange. Stimmt, drei Stunden sind viel. Aber Sie müssen nicht daneben stehen. Starten Sie den Waschgang vor dem Schlafengehen oder bevor Sie das Haus verlassen. Die Maschine arbeitet, Sie nicht.
Ihr Fahrplan für weniger Stromkosten beim WaschenDie Kurzfassung: Drehen Sie die Temperatur auf 30 °C, nutzen Sie das Eco-Programm, beladen Sie die Trommel komplett und vergessen Sie die Vorwäsche. Allein diese vier Änderungen senken Ihren Stromverbrauch beim Waschen um 40 bis 60 %. Bei einem durchschnittlichen Haushalt entspricht das 30 bis 50 Euro weniger pro Jahr.
Wer eine Maschine betreibt, die älter als zehn Jahre ist, sollte über einen Austausch nachdenken. Die Ersparnis beim Stromverbrauch finanziert das neue Gerät mit. Bei Geräten, die 2 bis 3 kWh pro Waschgang verbrauchen statt 0,5 kWh, rechnet sich der Wechsel oft schon nach drei bis vier Jahren.
Noch ein Tipp für Haushalte mit Photovoltaikanlage: Starten Sie die Waschmaschine tagsüber, wenn die Sonne scheint. Viele Maschinen haben eine Timer-Funktion, mit der Sie den Start auf die Mittagsstunden legen können. So waschen Sie mit Ihrem eigenen Solarstrom und drücken die Kosten auf nahezu null.
Saubere Wäsche und niedrige Stromkosten schließen sich nicht aus. Sie brauchen dafür keine besonderen Geräte und keine komplizierten Routinen. Ein paar Gewohnheiten, die Sie ab dem nächsten Waschgang umsetzen können.